Wo Qualität, Nachhaltigkeit und Kundenwünsche zusammenlaufen

Das Gespräch mit Molkereimeister Idris Alptekin im Werk Zeven der DMK Deutschen Milchkontor GmbH (kurz DMK Group) zeigt: Nicht nur Milch ist unglaublich vielfältig. Auch der Beruf des Molkereimeisters ist spannend und besitzt zahllose Facetten! Produktentwicklung, neue Quark-Sorten, GVO -freie Produktion – Trends bei den Verbraucherwünschen beeinflussen den Arbeitsalltag.

Idris Alptekin – im niedersächsischen Zeven geboren und zu Hause

„Der Betrieb ist für mich ganz normal“, sagt Molkereimeister Idris Alptekin beim Besuch von DIALOG MILCH im DMK-Werk Zeven, wo an diesem Vormittag beinahe im Minutentakt Milchsammelwagen vorfahren. „Jeden Tag werden hier rund 4,1 Millionen kg Milch angeliefert, das braucht eine ausgeklügelte Logistik.“ Schon seit Beginn seiner Ausbildung ist der „waschechte Zevener mit kurdischen Wurzeln“ Idris Alptekin im Werk Zeven tätig – und die Vielseitigkeit des Rohstoffs Milch nur ein Grund, warum er seine heutige Tätigkeit als Molkereimeister mit Leib und Seele ausübt.

Jeden Tag frisch

An sieben Tagen die Woche wird hier im DMK-Werk Zeven Milch angeliefert und direkt verarbeitet: zu Frischkäse, H-Produkten, Fruchtbuttermilch, Kondensmilch und Kaffeesahne oder auch zu Milchpulver, das beispielsweise zum Teil in die Süßwarenindustrie geht, aber auch als hochwertiges Tierfutter verwendet wird. In der regelmäßig wechselnden Früh-, Spät- und Nachtschicht sind hier insgesamt 447 Mitarbeiter in der Produktion tätig. Einer davon ist Idris Alptekin. Er ist heute deutlich vor dem Beginn seiner Schicht in das Werk gekommen, um DIALOG MILCH einmal Einblicke in die Tätigkeit eines Molkereimeisters zu ermöglichen.

Im Büro findet jeweils zum Beginn und Ende der Schicht die Übergabe statt.

Genau zur rechten Zeit

Eigentlich hatte der technisch interessierte Molkereimeister den Plan, nach dem erweiterten Realschulabschluss eine Ausbildung als Industriemechaniker zu absolvieren. Zum Glück – so sagt er heute – war in dem Werk in Zeven im Sommer 2008 aber kein entsprechender Ausbildungsplatz frei. Stattdessen erhielt er das Angebot, über ein Praktikum in das Berufsfeld des Milchtechnologen hineinzuschnuppern.

In drei Jahren zum Milchtechnologen

Nach einer Internetrecherche zu diesem Berufsfeld sagte Idris Alptekin zu – und nach dem Praktikum war für ihn klar, dass ein Ausbildungsplatz als Industriemechaniker ja ganz in Ordnung gewesen wäre, eine Ausbildung zum Milchtechnologen – oder Molkereifachmann, wie es zu dieser Zeit noch hieß – ihn aber weitaus stärker faszinierte. So kam es, dass sich Idris Alptekin drei Jahre lang intensiv mit dem Rohstoff Milch und den überaus vielfältigen Möglichkeiten zu dessen Weiterverarbeitung beschäftigte – bis er im Juni 2011 seinen Abschluss als Milchtechnologe in der Tasche hatte.

Die Schaltwarte ist das Herzstück der Produktion: Hier laufen „die Fäden“ für alle Maschinen und Produktionsprozesse zusammen.

Gesellenjahre in der Schaltwarte

Es folgten vier Gesellenjahre in der Zevener Schaltwarte für H-Produkte. „Bei der Produktion haltbarer Milchprodukte wird die Milch UHT erhitzt. Das heißt, das Produkt wird einer so starken und kurzen Erhitzung unterzogen, dass alle relevanten Mikroorganismen, die das Produkt verderben könnten, deaktiviert werden. Die so behandelten Produkte haben eine längere Haltbarkeit auch ohne Kühlung. Ihre Nährstoffgehalte sind aufgrund der modernen Technologieverfahren kaum abweichend von denen der nicht erhitzten Produkte. Diese verlängerte Haltbarkeit ermöglicht es uns, auch die Märkte außerhalb von Deutschland oder Europa zu erschließen“, erläutert Alptekin.

Immer alles im Blick

In der Schaltwarte für H-Produkte werden die laufenden Produktionsprozesse über eine Reihe von Monitoren überwacht. Idris Alptekin sagt: „Das mag auf den ersten Blick unübersichtlich und verwirrend aussehen. Man gewöhnt sich aber sehr schnell daran, aus den Anzeigen das herauszulesen, was von der Norm abweicht. Entscheidend ist, dass wir so kontinuierlich unsere hohe Produktqualität gewährleisten können.“

Zu den regelmäßigen Kontrollen gehört auch die Verkostung der fertigen Produkte, um eine gleichbleibend hohe Qualität gewährleisten zu können.

Nicht vom Himmel gefallen

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, sagt der Volksmund – und das gilt auch für Idris Alptekin. Entsprechend folgte nach den Gesellenjahren ab Herbst 2015 eine achtmonatige Meisterausbildung bei der LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) in Oldenburg. Im Mai 2016 war es dann soweit: der frisch gebackene Molkereimeister kam mit seinem Meisterbrief nach Zeven zurück.

Traumberuf

Im Rückblick war das Praktikum als Milchtechnologe für Idris Alptekin ein absoluter Glücksfall: „Ich liebe meinen Beruf. Nicht nur der Rohstoff Milch ist außerordentlich vielseitig und bietet für jeden Geschmack etwas, sondern auch meine Tätigkeit als Molkereimeister wird nie langweilig. Jeder Tag ist anders. Ich kümmere mich um Produktionsprozesse und Produktqualität, um die Schulung der Mitarbeiter in den Bereichen Hygiene-, Sicherheits- und Umweltvorschriften, um Schicht- und Urlaubspläne sowie um Verbesserungsvorschläge. Ich kontrolliere die Umstellung der Maschinen bei Produktwechseln, habe super Kollegen und bin immer wieder mal auch in Testreihen zu neuen Produktentwicklungen eingebunden. Es gibt also viele Gründe, warum ich jeden Tag richtig gerne zur Arbeit komme!“

Regelmäßige Kontrollen und vor allem auch deren Dokumentation sind das A und O bei der Erzeugung von hochwertigen Produkten – besonders dann, wenn unterschiedliche Produktlinien wie GVO-freie und konventionelle Milch sauber getrennt bleiben müssen.

Neues aus Milch

„Milch fasziniert mich – jeden Tag aufs Neue“, sagt der Molkereimeister. Er erzählt, dass mit Skyr kürzlich ein ganz neues Produkt – so etwas wie der ‘Quark der Isländer‘ – entwickelt und auf den Markt gebracht wurde. Dabei handelt es sich um eine Produktreihe, die aufgrund ihres hohen Proteingehalts bei den Verbrauchern groß im Trend ist und längst nicht mehr nur von Sportlern geschätzt wird: „Skyr enthält viel Eiweiß, aber wenig Fett. Inzwischen haben wir Skyr als Getränk in verschiedenen Geschmacksrichtungen, als ‘to go‘-Variante im Becher, die mit frischen Früchten oder Müsli verfeinert werden kann und als Frucht-Skyr als Stieleis im Programm.“ Vier- bis fünfmal pro Jahr kommt Alptekin etwa bei dem Einfahren der Produktionsanlagen mit solchen Neuentwicklungen in Kontakt. „Es ist immer wieder spannend zu sehen, was da Neues kommt, und wie die Produktvielfalt aus Milch immer weiter wächst.“

Gesellschaftliche Trends

Auch gesellschaftliche Trends wie die wachsende Nachfrage nach Milch, die ohne gentechnisch verändertes Futter erzeugt wurde, sowie nach Bio- oder Weidemilch, werden im Arbeitsalltag von Idris Alptekin spürbar. „Wir haben beispielsweise eine komplett getrennte Anlieferung und Verarbeitung von konventioneller und GVO-freier Milch. Damit steigen natürlich die Anforderungen an die Organisation und die präzise Dokumentation im Werk. Es gibt Nachfragetrends, die wir beobachten und auf die wir reagieren, und auch das ist ein Beleg dafür, dass ich einen wirklich interessanten und abwechslungsreichen Beruf gefunden habe“, sagt Alptekin zum Ende des Besuchs. Dann geht es für ihn noch einmal ein paar Stunden nach Hause, um das schöne Wetter zu genießen, bevor ab 22.00 Uhr die heutige Nachtschicht ruft.