23. März 2021

Melkroboter: Wenn die Kuh entscheidet, wann Melkzeit ist!

Drei Viertel der Milchkuhhalter in NRW setzen bei Neuanschaffungen auf vollautomatische Melktechnik. Richtig genutzt bringt sie den Landwirten mehr Zeit für die Tierbeobachtung und den Kühen mehr Tierwohl.

Wie die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in einer Pressemeldung berichtete, waren Ende 2019 auf 569 landwirtschaftlichen Betrieben in NRW Melkroboter als automatische Melkhelfer im Einsatz. Laut Zahlen des Landeskontrollverbands sollen inzwischen sogar fast 600 Melkroboter auf Milchkuhbetrieben in NRW im Einsatz sein – und das mit weiter steigender Tendenz. „Rund 75 % aller Landwirte, die neue Melktechnik brauchen, entscheiden sich für die Roboter-Variante“, so die Landwirtschaftskammer. Damit werden in NRW bereits etwa 68.000 der in diesem Bundesland insgesamt gehaltenen rund 400.000 Milchkühe mit vollautomatischen Systemen gemolken.

Ganz ähnlich waren die Zahlen Anfang 2020 in Niedersachsen: Schon rund 15 Prozent der Milchviehhalter haben sich dort für einen Melkroboter entschieden. „Unter den gut 7.000 Milchviehhaltern, die ihre Kühe der Milchleistungskontrolle unterstellt haben, nutzen knapp 1.100 Höfe einen Melkroboter“, berichtet die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen.

Gut für Mensch und Tier

Die Landwirtschaftskammer NRW nennt die hohe Arbeitsbelastung in der Milchviehhaltung als wesentlichen Grund dafür, dass Betriebe in diese Technik investieren. „Der Melkroboter melkt auch am Wochenende und rund um die Uhr mehrmals täglich“, und viele Landwirte schätzen die Arbeitsentlastung, die Freiraum für andere Tätigkeiten im Betrieb oder auch für die Familie schafft.

Auch die Tiere nehmen den Roboter gut an. „Im Durchschnitt 2,8 bis 2,9-mal wird jede Kuh täglich gemolken, weil sie freiwillig zum Melkroboter geht“, berichtet Doris Berbecker, die mit ihrem Mann Ernst einen Milchkuhbetrieb im nordrhein-westfälischen Halver bewirtschaftet. „Natürlich haben wir so Freiräume gewonnen. Trotz aller Begeisterung für diese moderne Technik ist für uns aber klar: Mensch ohne Technik im Stall geht, aber Technik ohne Mensch im Stall geht nicht. Die Tierbeobachtung ist und bleibt das A und O.“

Der Milchkuhhalter Basti Bützler aus der Nordeifel bestätigt: „Ich verbringe jeden Tag viel Zeit vor dem Computer und gleiche das, was die Daten mir sagen, mit dem ab, was ich selbst im Stall sehe.“ Und er ergänzt: „Die innovative Technik im Stall ermöglicht es uns, den Bedürfnissen der Tiere optimal zu entsprechen.

Erhebliche Investitionen

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft in Niedersachsen weist aber auch auf die wirtschaftliche Dimension hin, die neben den klaren Vorteilen bei Tierwohl und Arbeitserleichterungen zu beachten ist. Dort heißt es: „Preise für eine sogenannte Box, die auf etwa 70 Kühe ausgerichtet ist, liegen je nach Anbieter und Ausstattung bei 120.000 bis 150.000 Euro, bei 140 Kühen sind damit schon annähernd 300.000 Euro Investitionssumme für diese Technik fällig. Mit Blick auf die weiter unbefriedigenden Milchpreise eine stolze Summe!

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