
Im Jahr 2026 haben die Vereinten Nationen das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen. Ein bedeutendes Signal, das die Rolle von Frauen in der Branche noch stärker in den Fokus rückt. Denn obwohl Frauen einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg vieler Höfe leisten, werden in Deutschland nur rund 11 % der landwirtschaftlichen Betriebe auch von Frauen geführt.
Herdenmanagerin Lydia: Wo sind die Vorteile von Frauen in der Tierhaltung?
Lydia Pelzer, 31 Jahre alt, hat Agrarwissenschaften studiert und zusätzlich eine Ausbildung zur Landwirtin gemacht. Sie lebt mit ihrem Mann Philipp auf dem eigenen Betrieb und ist auf einem anderen Hof angestellte Herdenmanagerin. In ihrem Alltag jongliert sie zwischen der Arbeit als Herdenmanagerin, der Mitorganisation des eigenen Betriebs und der Zeit mit ihrer Familie.
Ihr Arbeitstag als Herdenmanagerin beginnt um 5:30 Uhr: „Zuerst schaue ich im Stall und auch mit unserem digitalen Programm, ob es allen Kühen gut geht und was ansteht“, erklärt Lydia.
Im weiteren Verlauf des Tages stehen verschiedene Arbeiten auf dem Plan: Vom Melken über das Füttern der Tiere bis hin zur Kontrolle der Jungtiere. Alles wird täglich genau überprüft, um sicherzustellen, dass es allen Tieren gut geht. Es gehört einfach dazu, die Tiere zu kennen, damit man bei Auffälligkeiten sofort eingreifen kann“, so Lydia. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sie als Frau oft einen besonderen Blick für die Tiere hat.

Wie viele Frauen arbeiten in der Landwirtschaft?
Während nur 11 % der landwirtschaftlichen Betriebe formal von Frauen geleitet werden, sind nach Umfragen in rund 50 Prozent der Betriebe Frauen – meist als mitarbeitendes Familienmitglied – in die Arbeit auf dem Hof eingebunden und übernehmen neben der Arbeit mit den Tieren und auf dem Feld oft organisatorische und verwaltende Aufgaben. In einer Umfrage im Rahmen der „Landfrauenstudie“ aus dem Jahr 2022 gaben 72 Prozent der befragten Frauen an, bei wichtigen strategischen und unternehmerischen Entscheidungen beteiligt zu sein. Der häufigste Weg von Frauen in die Landwirtschaft ist immer noch die Heirat eines Hofnachfolgers, während nur rund 18 % der Hofnachfolger weiblich sind.
Trotz der zeitintensiven und körperlich anstrengenden Arbeit, die im landwirtschaftlichen Betrieb zu leisten ist, sieht Lydia einen klaren Vorteil darin, dass immer mehr Frauen in dieser Branche Verantwortung übernehmen. „Landwirtschaft war lange Zeit eine männerdominierte Branche. Das merkt man auch heute noch. Außer mir sind hier fast nur Männer unterwegs. Aber ich denke, dass sich das langsam ändert“, sagt sie. In den letzten Jahren seien immer mehr Frauen in Führungspositionen auf landwirtschaftlichen Betrieben gekommen.
Wie klappt es mit Kindern auf dem Hof?
Lydia ist Mutter eines zweijährigen Sohnes. Wie viele andere Frauen innerhalb und außerhalb der Landwirtschaft will sie Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. „Ich arbeite Teilzeit und mein Sohn wird in der Familie, aber auch extern bei einer Tagesmutter betreut“, sagt sie. In ihrer Branche ist es leider nicht immer einfach, Familie und Beruf zu kombinieren, da die Arbeitszeiten flexibel und lang sind. Aber die oft gegebene Nähe zwischen Arbeitsplatz und Zuhause bietet auch Vorteile. „Ich kenne viele Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Kinder in der Trage im Stall dabeihaben oder auf den Trecker mitnehmen, während sie arbeiten. Es gibt immer Momente, in denen man während der Arbeit mit den Kindern zusammen sein kann , aber natürlich auch viele, in denen es nicht geht.“
Doch Lydia hat ihren eigenen Weg gefunden, Familie und Betrieb zu vereinen. Ihr Sohn begleitet sie so oft wie möglich. „Er fährt oft mit uns auf dem Traktor oder ist im Stall dabei, wenn es die Zeit hergibt.“
Wie sieht Lydia die Zukunft von Frauen in der Landwirtschaft?
„Ich würde sagen, es hat sich in den letzten Jahrzehnten schon sehr viel getan. In meinem Studium waren wir tatsächlich mehr Frauen als Männer. Ich glaube, dass der Trend dahin geht, dass Frauen mehr Betriebe leiten werden.“
Gleiches Geld für gleiche Arbeit ist für Lydia wichtig und sie hat das auch für sich erreicht: „Ich verdiene genauso viel wie meine männlichen Kollegen.“ Insgesamt sieht sie in der Landwirtschaft hier aber noch Ungleichgewichte. Was für sie aber besonders wichtig ist, ist die Wertschätzung der Frauen in der Landwirtschaft und sie hat einen Appell: „Wertschätzt eure Frauen, wertschätzt eure weiblichen Angestellten, denn nur so fühlen Frauen sich in der Branche gewollt und wandern nicht ab in andere Arbeitsbereiche.“
Lydia ist sich sicher: „Frauen leisten in vielen Betrieben einen zentralen Beitrag im Familienbetrieb, in Teilzeit oder in leitenden Funktionen. Ihre Kompetenzen sollten nicht länger erklärt oder hinterfragt werden, sondern genauso anerkannt sein wie die ihrer männlichen Kollegen.“

1 Info-Seite der UN zum Aktionsjahr
2 Aufruf des BMLEH zum Aktionsjahr
3 Studie zu Frauen in der Landwirtschaft
Mehr zu Lydia und ihrer Arbeit gibt es in der Hofreportage zu sehen
