
Wenn im Frühjahr die ersten warmen Sonnenstrahlen das Grünland rund um Kolvenbach in der Eifel zum Wachsen bringen, beginnt für Landwirt Sebastian Bützler die vielleicht wichtigste Zeit des Jahres. Auf seinem Milchviehbetrieb mit rund 240 Kühen entscheidet sich jetzt, wie gut die Tiere in den kommenden Monaten versorgt sein werden. Denn was für viele nach einfachem Rasenmähen in groß aussieht, ist für ihn eine hochpräzise Erntearbeit und die Grundlage für Tierwohl und damit auch die Milchproduktion.
Erster Grasschnitt liefert bestes Futter für die Kühe
Der erste Grasschnitt spielt dabei eine zentrale Rolle. „Das ist unser bestes Futter“, erklärt der Milchkuhhalter. Nach den sonnigen Frühlingstagen steckt das Gras voller Energie, es ist reich an Zucker und Eiweiß. Genau diese Inhaltsstoffe sind entscheidend für das Wohlbefinden und die Gesundheit seiner Milchkühe. Entsprechend sorgfältig plant er den richtigen Zeitpunkt: Sobald die Gräser beginnen, ihre Ähren zu bilden, muss es schnell gehen – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit und es ist über einen ausreichenden Zeitraum trocken.
Arbeiten mit der Natur: Das Wetter macht den Unterschied
Wie viele Landwirte in der Region beobachtet auch Sebastian Bützler in diesen Tagen besonders aufmerksam den Wetterbericht. Denn ist das Gras einmal gemäht, steigt der Druck: Innerhalb weniger Tage muss es getrocknet oder siliert und sicher eingelagert werden. Regen zur falschen Zeit kann die Qualität erheblich mindern.

Rasen mähen und Vorratshaltung mit System
Ein Großteil der Flächen rund um Bützlers Hof besteht aus Grünland. Mehrmals im Jahr, meist drei- bis viermal, wird hier gemäht. Ein Teil des Grases wird zu Heu verarbeitet, das vollständig durchtrocknen muss. Ein anderer Teil wird als Grassilage konserviert. Dafür wird das angewelkte Gras gewendet, gehäckselt, gewalzt, verdichtet und luftdicht im Silo gelagert. Durch Zugabe von Siliermittel startet die Milchsäuregärung und es entsteht so ein haltbares, nährstoffreiches Futter.
Schnittlänge entscheidend für ausgewogene Nährstoffversorgung der Kühe
Bei der Grasernte wird das geschnittene Material mithilfe einer sogenannten Schüttelbox überprüft. Diese dient dazu, die Häcksellänge zu kontrollieren und sicherzustellen, dass das Gras möglichst kurz und gleichmäßig zerkleinert ist. Eine homogene Struktur des Futters ist für Kühe besonders wichtig, da sie sonst dazu neigen, längere Bestandteile auszusortieren. Durch eine gleichmäßige Häcksellänge wird die Futteraufnahme verbessert und eine ausgewogene Nährstoffversorgung gewährleistet.
Wichtiger Wildschutz: Kontrolle der Flächen mit Drohne und Wärmebildkamera
Doch bevor die Maschinen anrollen, steht ein anderes Thema im Fokus: der Schutz von Wildtieren. Auch Basti Bützler achtet darauf, dass Rehe und andere Tiere nicht zu Schaden kommen. Die Flächen werden bei ihm mit Hilfe von Drohnen mit Wärmebildkameras kontrolliert.
So zeigt sich: Hinter dem scheinbar simplen „Rasenmähen in groß“ steckt ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Erfahrung, Timing und Verantwortung für die Tiere, die Natur und letztlich auch für die Qualität der Milch.
Kreislaufwirtschaft auf dem Grünlandstandort Bützlers Hof im Mittelgebirge
Landwirtschaftliche Betriebe funktionieren vielerorts im Sinne einer Kreislaufwirtschaft: Tiere verwerten Gras, Reststoffe und Biomasse, die für den direkten menschlichen Verzehr nicht geeignet sind, und tragen so zur Schließung von Nährstoffkreisläufen bei.
Basti Bützlers Flächen in Mittelgebirgslage eignen sich aufgrund der geringen Bodenqualität kaum für intensiven Ackerbau mit ertragreichen Kulturen. Stattdessen dominieren Grünland und extensive Nutzungsformen. Flächen also, die ohne Tierhaltung nur eingeschränkt zur Lebensmittelproduktion beitragen könnten. Gerade hier zeigt sich die Rolle der Tierhaltung als Teil eines standortangepassten, kreislauforientierten Systems.
Mehr vom 1. Schnitt bei Bast Bützler gibt es hier im Video zu sehen.
