Workshop DIALOG MILCH
bei der „Neuen Westfälischen“

#2B1D: Stadt – Land – Mensch: DIALOG MILCH zu Gast bei der „Neuen Westfälischen“

DIALOG MILCH war am 4. Dezember 2018 zu Gast bei der »Neue Westfälische« (NW) in Bielefeld – ein informativer Austausch von Redakteuren und Landwirten. Wie erleben Journalisten die Arbeit von Landwirten? Wie sehen Milchviehhalter die Reflexion ihrer Themen in der Presse? Der Workshop fand im Herz des Zeitungs- und Medienhauses mit Blick auf den Newsdesk statt.

Am gemeinsamen Workshop nahmen teil: NW-Chefredakteur Thomas Seim, der stellvertretende Chefredakteur Carsten Heil, Jörg Rinne (Mitglied der Chefredaktion), Stefan Schelp (Ressortleiter Wirtschaft) sowie Jobst Lüdeking als Agrarexperte des Redaktionsteams. Als Vertreter der Landwirtschaft stellten ihre Arbeit sowie die Chancen und Perspektiven in der Landwirtschaft vor: Wilhelm Brüggemeier, Milchviehhalter und Westfälischer Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft e.V., Cornelia Langreck, Landwirtin und Social Media-Publisherin, Carina Nölker, Junglandwirtin, Miriam Peitsmeyer, Milchviehhalterin, und Antonius Tillmann, Stellvertretender Vorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe.

Für die NW-Redakteure war der Austausch ein Impuls, ihre Arbeit in guter Tuchfühlung mit der Landwirtschaft fortzuführen. Weitere Gesprächstermine wurden ins Auge gefasst.

Der Workshop wurde von der Bildungsträgerin aus dem Ländlichen Raum der Andreas Hermes Akademie (AHA) gestaltet. Anhand des gemeinsamen Themas: »Wie Nachrichtenwellen heute in Social Media entstehen« – konnten beide Branchen ihren jeweilige Sichtweise einbringen. Jeder professionell in seiner Rolle, gemeinsam für eine bessere Information der Leserinnen und Leser.

Lesen Sie hier einige Blitzlichter aus dem gemeinsamen Workshop:

»Wir versuchen immer, im Gespräch mit der Bevölkerung zu sein und wir versuchen, den Leuten zu zeigen, was auf dem Hof passiert. Im Lokalen haben wir da kein Problem. Überregionale Medien haben einen großen Abstand zur Landwirtschaft. Ich denke dann bei Berichten in den Medien oft, da hat keiner mit einem Landwirt gesprochen. Je größer der Abstand zur Landwirtschaft, umso mehr erscheinen allgemeingültige Urteile in der Presse.«
Miriam Peitsmeyer, Milchviehhalterin aus Espelkamp-Gestringen

»In allen Debatten ist der Unterschied zwischen dem Allgemeingültigen und dem, wie das Individuum das Allgemeingültige empfindet, wichtig. Missverständnisse: Da hängt vieles an Informationsvermittlung und dem Informationsverstehen.«
Carsten Heil, stellvertretender Chefredakteur

»Meine Intention ist – und mein ganzes Berufsleben hindurch habe ich diese Notwendigkeit gesehen – die Bürger zu erreichen und Kontakt zu Journalisten herzustellen. Darum freut mich dieses Dialog-Format.«
Wilhelm Brüggemeier, Milchviehhalter und Westfälischer Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW aus Enger

»Wir finden einen Dialog hilfreich, um Informationen und Werturteile zu überprüfen, abzuchecken oder neue herauszubilden. Was wir Ihnen anbieten, ist eine kritische Sympathie, aber sie kann keine kritiklose Freundschaft sein.«
Thomas Seim, Chefredakteur

»Die Situation in den Schulen liegt mir am Herzen. Hier beobachte ich, dass in den letzten zwanzig Jahren viel an Basics zu Ernährung und Landwirtschaft verloren ging und geht. So viel Unwissen wird von Nichtregierungsorganisationen in der Presse unbesehen verbreitet. Mir liegt viel daran, dass man da mehr aufklärt und nicht unreflektiert eine Meinung übernimmt.«
Cornelia Langreck, Landwirtin und Social Media-Publisherin aus Rheda-Wiedenbrück

»Wir als Städter sind oft nicht nahe genug dran, kriegen so oft nur vermittelte Wahrheit – gesteuert von verschiedenen Interessenverbänden – mit. Wir sind unseren Kunden verpflichtet. So ein Dialog ist ein gutes Format, um einen Interessenausgleich zu finden. Wir müssen sehen, wie wir uns dafür fit machen. Zum Beispiel beschäftigen wir einen Journalisten aus dem Agrarbereich.«
Thomas Seim, Chefredakteur

»Wie wird sich die Gesellschaft weiterentwickeln? Wie werden wir Landwirte darauf reagieren? Ich wünsche mir, dass wir auch ein Querdenken zulassen, dass wir es einfach ein Stück weit aushalten, andere Argumente zuzulassen und Meinungen stehen zu lassen. Die Bauern fühlen sich oft nicht ernstgenommen, das nervt. Die Frage ist: Wie schaffen wir es, gegenseitig Wertschätzung rüberzubringen?«
Antonius Tillmann aus Warburg, Schweine- und Milchviehhalter, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands Ostwestfalen-Lippe im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband

»Es ist manchmal schwierig, was man von Lehrern zu hören bekommt, die mit ihren Schulklassen unseren Hof besuchen. Vor allem, wenn wir sehen, was die Kinder fernab von jeder Praxis in den Schulen beigebracht bekommen.«
Carina Nölker, Junglandwirtin aus Melle-Wehringdorf

»Die wirkliche Wirklichkeit ist im Vergleich zu dem, was man erzählt bekommt und was wirklich passiert, sehr unterschiedlich.«
Thomas Seim, Chefredakteur