Feinstaubbelastung durch Gülle – was ist derzeit wissenschaftlich gesichert?

Quelle: Marco Grundt

Pünktlich zur Internationalen Grünen Woche in Berlin berichtet das ARD-Magazin „Monitor“ von einer neuen Studie, die Massentierhaltung und den damit verbundenen Gülleanfall als Verursacher für den Feinstaubausstoß aus der Landwirtschaft sieht. Ammoniak aus der Gülle verbinde sich u.a. mit Stickoxiden und reagiere zu Feinstaub – und dieser landwirtschaftlich bedingte Feinstaub habe mehr als 50.000 frühzeitige Sterbefälle zur Folge. [1]

Das Magazin beruft sich auf eine bislang unveröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und zitiert auch einen der beteiligten Autoren. Und keine Frage: Eine solche Aussage macht unsicher und wirft Fragen auf. Leider ist die Studie bislang nicht zugänglich, alle Fragen zu der Datengrundlage und deren Bewertung bleiben derzeit unbeantwortet.

Nachdenklich macht allerdings eine so eindeutige Zuweisung der angeblichen Verantwortlichkeit, wenn das gesamte Thema der „Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickstoffverbindungen (NOx)“ derzeit in der wissenschaftlichen Diskussion stark infrage gestellt wird.

So hat gerade erst eine Gruppe von klinischen Forschern und Lungenärzten eine von 113 Fachleuten unterzeichnete Position veröffentlicht, die Zahlen zu möglichen Feinstaubtoten generell hinterfragen und den Berechnungen u. a. einen systematischen Fehler unterstellen. [2]

Was bedeutet das aber für Laien, die weder die eine noch die andere Position nachprüfen können? Auf jeden Fall bleibt zunächst Verunsicherung, auch wenn diese nach Ansicht der genannten 113 klinischen Forscher und Lungenärzte unnötig ist. Die stellen nämlich fest: „Lungenärzte sehen in ihren Praxen und Kliniken diese Todesfälle an COPD und Lungenkrebs täglich; jedoch Tote durch Feinstaub und NOx, auch bei sorgfältiger Anamnese, nie. Bei der hohen Mortalität müsste das Phänomen zumindest als assoziativer Faktor bei den Lungenerkrankungen irgendwo auffallen.“ [3]

Wünschenswert und fair wäre deshalb, vor einer schuldzuweisenden Berichterstattung zunächst die Studie des Max-Planck-Instituts zu veröffentlichen und damit einer wissenschaftlichen Prüfung und Diskussion zugänglich zu machen.

[1] https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-gefaehrlicher-feinstaub-landwirtschaft-ist-hauptverursacher-100.html
[2] https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/nox-und-feinstaub-grenzwerte-bei-lungenaerzten-umstritten/
[3] https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Stellungnahme__NOx_und__Feinstaub.pdf